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Europa zum Anfassen: Glasfachschule NRW feiert EU-Tag gleich mit zwei Jubiläen

von Team Glasfachschule

Eine Gruppe von Schülerinnen, Schülern und einer Lehrkraft steht auf einem sonnigen Schulhof und hält lächelnd verschiedene europäische Nationalflaggen sowie die Europaflagge hoch

Rheinbach, 11.06.2026 – Projekte in allen Werkstätten, deutsch-französische Partner-Workshops und zwei runde Jubiläen: Am 11. Juni verwandelte sich die Glasfachschule NRW in eine europäische Bühne.

Mit einem großen EU-Tag hat die Glasfachschule NRW in Rheinbach am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, Europa und das Erasmus+-Programm in den Mittelpunkt gerückt – und zugleich gleich zwei Jubiläen gefeiert: 25 Jahre deutsch-französischer Austausch, der gemeinsam mit der deutsch-französischen Austauschorganisation ProTandem auf die Beine gestellt wird, sowie 30 Jahre Schulpartnerschaft mit dem böhmischen Kamenický Šenov. Mit über 30 Jahren Erfahrung in europäischen Projekten und einer Entsendungsquote von über 10 Prozent jährlich gehört die internationale Ausrichtung längst zum Selbstverständnis der Schule. Der EU-Tag machte diese gelebte europäische Verbundenheit für einen Tag in der ganzen Schule sichtbar.

Ein Tag voller europäischer Projekte

Die gesamte Schule widmete sich in fächerübergreifenden Projekten dem Thema Europa. Die Bandbreite der Arbeiten reichte von einer Musik-Playlist aus den Ländern der Austauschprogramme – inklusive Länderratespiel – über ein Malprojekt zum „Zusammenhalt in Europa“ und aufgezeichnete Interviews bis hin zu einer Fotodokumentation vergangener und laufender EU-Projekte. Besonders kreativ: der Entwurf eines eigenen Euro-Geldscheins mit Architekturmotiven der Glasfachschule und einem Lehrerportrait.

Ab 12:30 Uhr öffneten sich die Klassenräume zur Ausstellung der entstandenen Projektarbeiten. An mehreren Stationen im Schulgebäude wurden Fingerfood und Getränke gereicht – mit ländertypischen Kostproben aus verschiedenen EU-Ländern. Den feierlichen Höhepunkt des Tages bildeten am Nachmittag die Ansprachen zur 25-Jahrfeier des Frankreichaustauschs – mit der stellvertretenden Schulleiterin Judith Kurth, Anika Jurisch (ProTandem), Stéphane Marcadier vom französischen Partner Lycée Lucas de Nehou sowie Stefan Raetz vom Förderverein der Schule.

Stimmen zum Tag

Die Ansprachen brachten die Bedeutung des Tages auf den Punkt:

Die stellvertretende Schulleiterin Judith Kurth-Walkenhorst würdigte die Verbindung von Handwerk und Völkerverständigung: „Der langjährige Austausch mit Frankreich baut eine Brücke aus Glas – aus einem Werkstoff, der zugleich zerbrechlich und widerstandsfähig ist.“

Anika Jurisch von ProTandem hob die Bedeutung der Partnerschaft hervor, die zu den vier am längsten bestehenden bei ProTandem zähle: „Es geht um weit mehr als den Austausch von Kenntnissen – es geht auch um Werte wie Toleranz und Freundschaft.“

Stéphane Marcadier vom Lycée Lucas de Nehou dankte ProTandem und den Werkstattlehrern, die den Fortbestand und die Zukunft im Bereich Glas sichern, und schloss seine Rede mit den Worten: „Es lebe der Austausch!“

Stefan Raetz, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Rheinbach und Vorsitzender des Fördervereins der Schule, betonte die Bedeutung der beruflichen Bildung und brachte es auf den Punkt: „Ohne Glas geht nichts.“ Die Schüler hätten mit der Glasfachschule den richtigen beruflichen Weg eingeschlagen.

Deutsch-französischer Austausch

Schon am Vortag wurde es praktisch: Gemeinsam mit den derzeit zu Gast weilenden französischen Austauschschülern fanden Partner-Workshops quer durch die Werkstätten der Glasfachschule statt. In der Glasätzerei, bei der Spiegelgestaltung in der Gravur, und beim Bau eines Kaleidoskops in der Glaserei arbeiteten deutsche und französische Jugendliche Seite an Seite – europäisches Handwerk und ein Austausch, der weit über Sprache hinausgeht. Ein Highlight war das Glasblasen am Studioofen, bei dem die Schüler von Glasbläsern des LWL-Museums Glashütte Gernheim angeleitet wurden

Neben der Arbeit in den Werkstätten erlebten die französischen Gäste auch ein kulturelles Begleitprogramm rund um die deutsche Glas- und Handwerkstradition. Auf dem Programm standen unter anderem eine Besichtigung der Dombauhütte in Köln, des Limburger Doms, der Derix Glasstudios in Taunusstein und ein Besuch der Glasgalerie Kontinuum.

Ein Jubiläums-Shirt und 25 Jahre Kontinuität

Eigens zum 25-jährigen Jubiläum gestaltete die Schülerin Jette Jankuhn aus der Klasse BF24 ein Jubiläums-T-Shirt, das die deutsch-französische Gruppe am EU-Tag mit Stolz trug. Wie lebendig der Austausch nach einem Vierteljahrhundert noch ist, zeigt sich auch an Herrn Backes, Lehrer der Glasfachschule: Vor 25 Jahren fuhr er selbst als Schüler beim allerersten Austausch mit – heute begleitet er ihn als Lehrer.

Glaswurzeln in Böhmen: 170 Jahre und eine 30-jährige Partnerschaft

Nicht nur nach Frankreich reichen die Wurzeln der Glasfachschule: Der EU-Tag fiel mit gleich zwei weiteren Jubiläen zusammen. Vor 170 Jahren, im Jahr 1856, wurde im nordböhmischen Kamenický Šenov (damals Steinschönau) die erste – und bis heute älteste – Glasfachschule der Welt gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich viele vertriebene Glasfachleute aus Steinschönau in Rheinbach nieder und legten damit den Grundstein für die hiesige Glasfachschule. Seit 1996 verbindet beide Schulen eine offizielle Partnerschaft – in diesem Jahr seit 30 Jahren.

Text: Julia Schaber