Musik muss Feuer aus dem Geist schlagen

Glas – transparenter Werkstoff auf der Basis von Quarzsand, geboren aus Feuer, gestaltet aus Geist. Glas gewährt Durchblick. Nur scheinbar kalt, ist es ohne verzehrende Glut nicht formbar.

Darin ähnelt es der Musik: Wie Beethoven 1810 an Bettine von Arnim schrieb, muss Musik Feuer aus dem Geist schlagen.
Ziel dieser Ausstellung ist es, Durchblicke zu gewähren auf einen außergewöhnlichen Bonner Komponisten und sein Werk, gewohnte Sichtweisen aufzubrechen, Klischees ästhetisch zu verfremden, neue Perspektiven auf Altbekanntes sichtbar zu machen.
Auf eloxierten Aluminium-Rohren montierte, farbintensive Glasobjekte visualisieren die Polarität zwischen Kreativität und Krankheit, zwischen Künstler und Mensch. In einem bildungsgang- und schulübergreifenden Projekt von Schülerinnen und Schülern des Staatlichen Berufskollegs Glas•Keramik•Gestaltung in Rheinbach und Austauschschülern von Glasschulen aus Paris und dem tschechischen Kamenický Šenov erstellt, erweist sich diese Ausstellung als wahrhaft europäisches Unterfangen. Die Exponate zeigen die Schule als ganzheitliche Kreativschmiede: Hier haben Grafik-Designer und Glasgestalter Hand in Hand gearbeitet. Fotovorlagen und Zeichnungen wurden verfremdet, Collagen montiert und daraus Siebdruck-Vorlagen erstellt. Der Druck erfolgte auf geschliffenen Glasplatten, teils mattiert mit Sandstrahltechnik bzw. mit einer speziellen Ätztechnik. Die Reproduktionstechnik evoziert durch am Rechner erstellte Kontrastauszüge verschiedene Helligkeiten und räumliche Tiefen. Bei der Übertragung der Druckvorlage auf die Siebe werden die Konturen erst am Schluss übertragen. Die in Rheinbach verwendete Technik des mehrfachen Andrucks mit der gleichen Farbe bewirkt eine besondere Farbdichte und Tiefenwirkung. Farbtöne werden auch durch Verwendung von Sieben mit unterschiedlichen Maschenweiten gestaltet. Ins Auge fällt die Farbauswahl: Es wurden durchgängig Komplementärkontraste und Kalt-Warm-Kontraste nach Goethes Farbenlehre verwendet. Besonderheit ist das intensive Gelb, das durch die Goldanteile in der Farbe einen besonders warmen Ton erhält. Die aus Gründen des Umweltschutzes wasser-löslichen Glasfarben wurden selbst angerührt: Sie basieren auf feinstgemahlenem, pigmentierten Glasstaub und werden bei 560 Grad Ofen-Temperatur in die Platten eingebrannt. Musik bestehe aus Farben und Rhythmen – so der französische Komponist Claude Debussy. Es wäre ein Erfolg, wenn diese Ausstellung von jener Musik-Auffassung etwas sichtbar machen kann.
Beethoven
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